Geschichte des Musikalischen Vereins am Gymnasium Leopoldinum Passau

Auszüge aus „Die Geschichte seiner Entwicklung in 150 Jahren“ herausgegeben von Dr. Josef Saam, 1963

„Die Gründung des Musikalischen Vereins im Jahre 1813 scheint ein gnadenvoller Akt der regeneratio nach einem beispiellosen Niedergang gewesen zu sein; denn nicht lange vorher war ja durch die Säkularisation 1) vom Jahre 1803 das fürstbischöfliche Hochstift Passau aufgelöst und die Stadt selber zur Bedeutungslosigkeit einer kleinen Provinzstadt degradiert worden. Mit dem Bischof als Landesherrn hatte Passau seinen Mäzen verloren, mit dem Verlust der fürstbischöflichen Hofhaltung war plötzlich alles künstlerische Leben erstorben, insbesondere auch die einst so berühmte Hofmusik verstummt.“ 2)
Das geistige und künstlerische Leben Passaus, einer Stadt von 8000 Einwohnern, war durch den Wegzug des Fürstbischofs am Erliegen und fand auch keinen Aufschwung durch die Etablierung der kgl. Kreisregierung des Unterdonaukreises in ihren Mauern, zumal diese schon 1839 mit der Kreisregierung von Niederbayern in Landshut zusammengelegt wurde.

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Die brachliegenden Kräfte der ehemals fürstbischöflichen Hofkapelle, ihre Notenbestände und Musikinstrumente blieben größtenteils der Stadt erhalten. Alles wartete auf eine unternehmende Persönlichkeit, welche die wirtschaftlichen und künstlerischen Grundlagen zu einem neuen Anfang, wenn auch nach geänderten Gesichtspunkten und bürgerlichen Voraussetzungen, schaffen würde. Die kgl. Kreisregierung neigte dazu, nur auf einen „Allergnädigsten Auftrag“ zu reagieren, im übrigen waren alle Hände vollauf beschäftigt, bei dem Ausverkauf und der Verschleuderung der eingeheimsten Kunstgüter aus den vielen Kirchen und Klöstern mitzuwirken.

Für unsere geschichtliche Betrachtung über den Musikalischen Verein ist erwähnenswert, dass der „Literarische Verein“ in der Studienanstalt im Unterrichtsjahr 1811/12 musikalischen Zöglingen gestattete, in einem schönen und heiteren Zimmer (wahrscheinlich in dem sonnigen Erkerzimmer des 2. Stocks auf der Südseite) zusammen zu kommen zum Üben und zum Beweisen ihrer erworbenen Kunstfertigkeit 3). Diese kurze Notiz zeugt doch von dem fühlbaren Mangel der jungen Studierenden, Gelegenheit zur Übung und zum Vorspiel von Musikwerken, vielleicht auch zum Unterricht zu erhalten.

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